Termine, Argumente

Di 27. Februar 2024 - Ein Vormittag mit Helga Kromp-Kolb

Im Bildungshaus Batschuns kann man eine Veranstaltung mit Helga Kromp-Kolb besuchen. Sicher eine wertvolle Ergänzung zu ihrem neuen empfehlenswerten Buch "FÜR PESSIMISMUS IST ES ZU SPÄT" - Wir sind Teil der Lösung. Dieser Titel schlägt sich auch im Titel und in der Beschreibung der Veranstaltung nieder:

Klimakrise – was können wir tun?

Der Klimawandel ist zur Klimakrise geworden, und jetzt geht es darum zu verhindern, dass er zur globalen Klima-Katastrophe wird. Das kann nur gelingen, wenn alle zusammenarbeiten – international und national. Kein Land und keine Person ist zu klein oder unwichtig, und jeder hat Möglichkeiten etwas beizutragen: Die Industrie, die Landwirtschaft, der Einzelne – und die Politik hat die Aufgabe, dies allen zu erleichtern. Das Schöne an der Sache: Wir können Lebensqualität gewinnen!

Dienstag, 27. Februar 2024, 09:45 Uhr bis Dienstag, 27. Februar 2024, 12:30 Uhr

Zum Angebot auf der Webseite des Bildungshauses: Batschuns - Programm

Donnerstag 29. Februar 2024 - Klimadialog in Bregenz

Der Klimadialog ist eine Initiative des BM für Klimschutz, Umwelt, Energie, Mobiltät, Innovation und Technologie. Es heißt dort:

Der KlimaDialog soll Mut machen, Kräfte zu bündeln und ungewöhnliche Allianzen zur Erreichung der gemeinsamen Klimaziele einzugehen. Bestehende Initiativen werden aufgezeigt und Wissen praktisch anwendbar. Ziel der Veranstaltungsreihe ist ein österreichweites, divers zusammengesetztes Klima-Netzwerk, von dem Sie nicht gedacht hätten, ein Teil zu werden.

Die Einladung:

Wir freuen uns auf Sie!

Mobilität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Gleichzeitig zählt der Verkehr zu den Hauptverursachern von Treibhausgas-Emissionen. Während bei anderen Sektoren, vor allem im Gebäudebereich, der Energieverbrauch gesenkt werden konnte, war beim Verkehr in Österreich wie auch in Vorarlberg ein weiterer Anstieg zu verzeichnen. Kaum ein anderes Thema wird in Vorarlberg leidenschaftlicher diskutiert.

Der fünfte Klimadialog des Klimaschutzministeriums in Zusammenarbeit mit dem Land Vorarlberg dient als Diskussions- und Vernetzungsplattform.

Wie kommen wir von der notwendigen Kontroverse zur gemeinsamen Zukunftsstrategie?

Wie sind wir in Zukunft unterwegs ohne unsere Lebensgrundlage zu zerstören?

Diesen Fragen geben dynamische KlimaDates, spanennde Workshops und inspirierende KlimaTalks Raum. Entscheidungsträger:innen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, Vertreter:innen der Zivilgesellschaft sowie Schüler:innen, Lehrlinge und Studierende sind herzlich willkommen.

Programm und Einladung im PDF-Format

Donnerstag, 29. Februar 2024, 15:00 bis 21:00 Uhr Ort Festspielhaus Bregenz

Anmeldung hier bis Sonntag 25. Februar!

Argumente

Keine Gespräche zu neuer S18-Variante

Österreich und die Schweiz haben bisher nicht über die Variante „Lustenau-Süd“ der S18 verhandelt. Diese war von Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Vorjahr als Alternative zur CP-Variante präsentiert worden. Man warte weiter auf Planungsergebnisse der ASFINAG, heißt es. Diese führt derzeit „vertiefende Untersuchungen“ durch.

Das ist am 19. Februar auf den Nachrichtenseiten von ORF Vorarlberg zu lesen. Das muss man sich vorstellen: Da werkelt und plant Vorarlberg/Österreich seit Jahrzehnten an einer Verlehrslösung für das Rheintal und plant bzw. diskutiert das nicht laufend mit der Schweiz. Die Schweiz schaut gelassen zu. Das ist ein unfassbares Versagen der Politik. Wir planen ein ca. 1,5 Milliarden Projekt ohne laufend die Schweiz einzubinden. Die Kern-Planungs-Aufgabe ist doch: Wie und wo schaffen wir, wenn überhaupt, die optimalste Verbindung zwischen den beiden Autobahnen durch das Rheintal? Das müssen die beiden Länder doch gemeinsam planen. Das sagt der Hausverstand von früher, bevor die ÖVP diesen Begriff für "die Zeichen der Zeit nicht erkennen" umgedeutet hat. Vielleicht könnte man bei dem Projekt der Rheinregulierung etwas lernen.

Studie "Nachhaltige Entwicklung des Verkehrssystems im oberen Rheintal"

Dieses nicht gemeinsame Planen hat Tradition. Bei unseren Recherchen stoßen wir z.B. auf folgende Schlagzeile aus dem Jahr 2000: Österreich steigt aus Studie "Nachhaltige Entwicklung des Verkehrssystems im oberen Rheintal" aus

Quelle : https://www.cipra.org/de/news/1308

Aus dem Kündigungsschreiben: Es seien "keine wesentlichen Zusatzerkenntnisse für konkrete politische Entscheidungen" zu erwarten. Die Fragestellung der Studie sei "eindimensional auf Umweltgesichtspunkte" konzentriert.

Man hat sich also um die Jahrtausendwende intensiv mit Verkehrslösungen für das Rheintal beschäftigt. Ein Projekt war die Alpenrheinbahn, eine Anbindung der Schweiz / Liechetnstein an das europäische Hochleistungsbahnnetz. Da war eine Bahntrasse als Südumfahrung Feldkirch vorgesehen.

Dazu eine Zusammenfassung einer Studie von : Schienengebundener öffentlicher Verkehr im Oberen Rheintal

Treibstoffpreise - Mehrwertsteuerrückvergütung

Das aktuelle Ziel ist, bis 2040 die THG Emissionen auf Netto Null reduzieren. Fast alle (Experten) sind sich einig, nur mit Technologie wird sich das nicht ausgehen. Laut dem aktuellen Energiebericht des Landes mit den Zaheln von 2021 ist in Vorarlberg der Anteil des Verkehrs an den Emissionen (43% mit KEX) und am Energieverbrauch (20% ohne KEX) besonders hoch.

Anmerkungen:
KEX .... Kraftstoffexporte
Die nationalen Treibhausgas-Emissionen müssen gemäß internationaler und europäischer Vereinbarungen auf Basis der nationalen Kraftstoffverkäufe berechnet werden.

46% (1.704 GWh Energie) der getankten Treibstoffe (3.737 GWh) sind Kraftstoffexporte, das ist Treibstoff, den ausländische Fahrzeuge in Vorarlberg tanken. Im PKW-Bereich nennt man das Tanktourismus. Das liegt natürlich an den Treibstoffpreisen. In Österreich kostet der Liter Treibstoff (Mittelwert Benzin, Diesel mit Stand Februar 2024) 1,63 €, in der Schweiz 1,99 € und in Deutschland € 1,73 €. These: Hätten wir in Vorarlberg nicht zusätzlich zu den niedrigeren Preisen nicht auch noch den deutlich niedrigeren Treibstoffpreis als in der Schweiz und die Mehrwertsteuerrückvergütung, so würde sich der grenzüberschreitende Verkehr um 10 - 20% reduzieren. Das ist ca. der Effekt, der sich durch den Bau des Stadttunnels kurzfristig an der Bärenkreuzung ergibt. Statt hier was zu tun, will die ÖVP geführte Landesregierung um hunderte Millionen Euro den Stadttunnel und um 1,5 Milliarden die CP-Variante der S18. Österreich schaut da lieber auf die Einnahmen aus der Mineralölsteuer und das Geschäft der Einkaufszentren und riskiert mit dem Verfehlen der Ziele Strafzahlungen. Solche Überlegungen triggern natürlich viele Gegenargumente - nur - es herrscht Klimanotstand, jedes Zehntel Grad mehr kostet weltweit Millionen Menschen die Existenz bzw. das Leben. Und es gilt Zitat Helga Kromp-Kolb: Jeder Beitrag zählt, wir sind Teil der Lösung!

Jahresrückblick Temperatur

Die aktuelle rote Karte für unsere bisherigen Anstrengungen, der Temperaturerhöhung entgegenzuwirken:

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Quelle: Jahresrückblick Geosphere Austria (ZAMG)

Österreich: 2023 war das wärmste Jahr in der bisherigen 256-jährigen Messgeschichte, gleichauf mit dem Jahr 2018.

Vorarlberg: Die mittlere Jahrestemperatur war in Feldkirch 11,6 °, das ist um 0,1° mehr als der bisherige Rekord mit 11,5° im Jahr 2018, in Bregenz war es mit 11,8° um 0,2° wärmer als der bisherige Rekord in den Jahren 1018 und 2022. Für Feldkirch gibt es Zahlen seit 1876. Der Mittelwert in den Jahren 1876 bis 1950 war 8,0°.

Daten: ZAMG, Histalp; Diagramm: Zeiner

Weltweit: 2023 das wärmste Jahr, vermutlich seit 100 000 Jahren! Mit 1.48°C über dem Schnitt der vorindustriellen Zeit kratzt dieser Rekord an der 1.5° Grenze. Es wird ernst und höchste Zeit für mehr Maßnahmen. Nochmals: Wir sind damit schon 2023 bei jenen Werten, die man für die Zeit ab 2070 in den Szenarien für Vorarlberg vermutet hat.

Energieautonomie+ 2030

Auf der Webseite des Landes findet man die jährlichen Energiemonitorberichte, eine gute Arbeit der Landesangestellten. Die letzten Berichte enthalten drei Dokumente, aktuell mit dem Datenstand des Jahres 2021:

  • Energiebericht 2023 in Textform
  • Energiebericht 2023 in einer Excel-Datei (nicht ganz leicht zu lesen)
  • Energieflußdiagramm (von drexel reduziert, laut Dateinamen mit den Daten von 2020)

Zählt man laut dem Energieflußdiagramm die Daten für das Aufkommen, also den Primärenergiebedarf zusammen, so ergibt sich: Wir benötigen im Jahr 12.647 GWh Primärenergie, importieren davon 8.290 GWh, 4.357 kWh stammen aus inländischer Erzeugung. D.h. nur 35% der Energie können wir selber aufbringen. Das sind biogene Brennstoffe, Solarwärme, Umgebungswärme, PV und Wasserkraft. Also noch ein weiter Weg zur Energieautonomie. Wir meinen, ohne Reduktion und Verzicht wird sich das nicht ausgehen. Im Tank der Autos landen 1.735 GWh, davon wiederum sind 1.215 GWh (70%) reine Verluste der Verbrennungsmotoren. Zu den 1.735 GWh, die in unseren Tanks landen kommen noch 1.920 GWh (!!!) Kraftstoffexporte dazu. Die Entscheidung wird also sein müssen, im Winter in der warmen Wohnung oder im warmen Auto zu sitzen.

Herkunft des in Österreich verbrauchten Stromes am 8. Jänner um 15:00

Quelle: https://app.electricitymaps.com/zone/AT

Die Reserven für Mehrverbrauch (E-Auto laden, Wärmepumpe) findet man in erster Linie beim Erdgas.
Das auch als Beitrag zum Thema: "Sagt uns die Wahrheit!", denn wer recherchiert schon solche Daten. 

Eurosparprojekt in Rankweil

Es hört nicht auf! Auch in Rankweil ist ein Bauprojekt geplant, das in dieser Dimension mit Nahversorgung nichts zu tun hat. Eine Initiative "Gesellschaft für Baukultur in Rankweil" hat eine Petition gestartet:

https://www.gfbr.at/

Siehe dazu auch diesen Artikel im Standard: die-win-win-win-win-situation

Aber das Projekt läuft sicher unter "ausgestorbene Ortskerne wieder mit Filialen beleben".

Weltklimakonferenz

Sehen Sie dazu ein Interview mit Hans Joachim Schellnhuber in der ZIB2 am Montag, den 4. Dezember. Prof. Schellnhuber ist der Klimaforscher, der gesagt hat: "Wir schieben unsere Kinder in einen Schulbus hinein, der mit 98% Wahrscheinlichkeit tödlich verunglückt." Und er sagt gleich zweimal: 3 und mehr Grad Erwärmung wären das Ende der Zivilisation. Und auf diesem Weg sind wir.

S18 - Lustenau - Volksbefragung m 19. November - Resultat

Soll die Marktgemeinde Lustenau als Partei in behördlichen Verfahren sowie in deren Vorfeld alle rechtlichen und politischen Mittel ergreifen, um den Bau der S18, Variante CP (östliche Ortsumfahrung entlang des Siedlungsrandes), zu ermöglichen?"

77,4% haben diese Frage haben bei einer Wahlbeteiligung von 30,2% mit NEIN beantwortet.

VCÖ Magazin 2023-03

Das aktuelle Magazin hat den Titel "Großes Energiesparpotential im Verkehr nutzen". Die wesentlichen Aussagen in Kurzform:

Vermeiden – verlagern – verbessern heißen die obersten Prinzipien für eine erfolgreiche Energiewende im Verkehrssektor. Dort, wo weder Vermeidung noch Verlagerung möglich sind, zählen Effizienz und Ressourcenschonung.

  • Vermeiden bringt Lebensqualität
  • Verlagern auf nachhaltige Mobilitätsangebote
    • Jede 10. Autofahrt ist in Gehdistanz
    • 4 von 10 Autofahrten sind kürzer als 5 km
    • Gegenüber dem PKW sinkt mit dem Bus der Gesamtenergieaufwand um 76%, mit der Bahn um 88%.
      Bild
      Graphik: VCÖ
  • Fahrverhalten und Technologie
    • Tempo 100 benötigt gegenüber Tempo 130 23% weniger Kraftstoff. Beim E-Auto erhöht Tempo 100 die Reichweite um 40%.
    • Mit einem Verbrenner kommt man mit 100 kWh Energie 151 km, mit dem Elektroauto 476 km.

Mehr...

Energieautonomie - ohne Reduktion des Verkehrs und Verbrauchs nicht vorstellbar

Beitrag von  Karlheinz Zeiner

Immer wieder lese ich Publikationen und Statistiken und stoße dabei auf Zahlenwerte, die mich in der Meinung bestätigen, dass der Plan der Energieautonomie in absehbarer Zeit ohne Schrumpfung nicht realisierbar ist. Aus dem Energiebericht 2022 mit den Zahlen von 2021: Der Primärenergieverbrauch Österreichs war 1.692 PJ (PetaJoule). Davon wurden 1.184 PJ (70% importiert).

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Quelle: https://www.bmk.gv.at/themen/energie/publikationen/zahlen.html

Der Endverbrauch war 1.134 PJ, davon 351 PJ (31%) für den Verkehr. In einem Haushalt mit ein oder zwei PKW's landet der größte Teil der Energie im Tank des Autos: Typischer Stromverbrauch (ohne Warmwasser, Heizung): 1.500 kWh, Heizung: 80 kWh/m²a * 80 m² = 6.400 kWh, Warmwasser: 1.750 kWh, ein Auto: 11.000 km * 7 Liter/100 km * 9 kWh / Liter = 7.000 kWh.

Verzichten wir tatsächlich auf fossile Quellen, dann muss fast die gesamte Energie als elektrische Energie aus PV und Windrändern kommen. Ja, man kann dann mit Wärmepumpen einen Teil der Energie aus der Umgebung holen und E-Autos fahren, aber es wird sich nicht ausgehen. Der zusätzliche Strom für die Wärmepumpen und die E-Autos wird ohne Reduktion noch lange schmutziger Strom sein. Schon jetzt müssen wir auch im Sommer immer wieder Strom aus Gaskraftwerken ins Netz einspeisen:

Datenquelle: https://energy-charts.info Aufbereitung und Diagramm: K. Zeiner

Im Winter ist dann der Anteil des Stroms aus Gaskraftwerken, um die Last abzudecken ca. 25% (2 GW von 8 GW).

Und jetzt sollten wir zusätzlich immer mehr Batterien der E-Autos laden und Wärmepumpen betreiben. Wie soll das funktionieren?

Reden wir über

  • Wärmedämmung
  • Wärmepumpen
  • Nahwärme aus Biomasse (die halt auch begrenzt ist)
  • 2-3° weniger Raumtemperatur oder unbeheizte Schlafzimmer

Aber reden wir auch über den Irrsinn, 1.000 bis 2.500 kg in Bewegung zu versetzen, um im Schnitt knapp mehr als eine Person zu transportieren.

Deshalb brauchen wir die Mobilitätswende und für diese Wende dürfen wir keine neuen Straßen bauen. Mobilitätswende heißt: Weniger Auto fahren, mehr zu Fuß gehen, Rad fahren und den ÖPNV ausbauen.

Energieautonomie Nachtrag

Am 11. Sept. war ich bei strahlendem Sonnenschein in NÖ als Wanderer unterwegs, vorbei an stillstehenden Windrädern. Ein nachträglicher Blick in die Daten der Stromproduktion hat bestätigt, was ich vermutet habe:

Quelle: energy-charts.info

Das ist die Situation bei Flaute, 1.440 MW aus PV-Anlagen, 2.663 MW aus Laufwasser bei guter Wasserführung der Donau: Fast 700 MW aus Gaskraftwerken, 610 MW aus dem Ausland und nur 88 MW (2,5%) von 3.586 MW installierter Leistung (Ende 2022) aus Windkraft.

Für Klimawandel Skeptiker

Es gibt immer noch viel zu viele Menschen, die entweder die Gefahr im Verzug nicht sehen oder meinen, der Klimawandel hätte mit den jährlich 35 Milliarden Tonnen CO2, die wir in die Luft jagen, nichts zu tun. Denn würde das stimmen, könnten wir tatsächlich nichts tun und damit weiter unsere Wege mit 2 Tonnen Fahrzeugen für einen zu transportierenden Menschen zurücklegen. Karlheinz Zeiner hat ein Dokument zusammengestellt, das Skeptiker überzeugen soll und hofft, dass schon die erste Version brauchbar ist. Eine Lektüre, die er auch den Bürgermeister*innen und Landtagsabgeordneten empfiehlt. Klimawandel.pdf

Briefe an die Bürgermeister*Innen und Landtagsabgeordneten

Gemeinsam mit weiteren Initiativen und Organisationen haben wir im Juli 2023 einen Brief an die Bürgermeister*Innen und die Landtagsabgeordneten verschickt. Die Themen: Umlegung der Kosten für die Tunnelspinne auf die Gemeinden, Forderung nach Kostenwahrheit und Transparenz, Hinweis auf ein ebenfalls sehr umstrittenes Projekt in der Schweizer Nachbarschaft Rapperswil-Jona. Einladung, sich unseren Argumenten zu stellen.

BriefJuli23

Auch fast 2 Wochen nach unserer Nachricht an die BürgermeisterInnen und die Landtagsabgeordneten hat nur ein Bürgermeister und nur ein Abgeordneter geantwortet.

Ein zweiter Brief an die Bürgermeister:innen und Gemeindevertreter:innen

BriefSeptember23

hat etwas mehr Resonanz gefunden. Es scheint aber auch gängige Praxis zu sein solche Schreiben, nicht an die Gemeindevertreter:innen weiter zu leiten oder in einer GV-Sitzung darüber zu berichten. Eine uns bekannte Ausnahme ist Meiningen.

Da fragt man sich, warum? Rund um das Mittelmeer brennt die Welt, Tausende müssen evakuiert werden. Kein Problem? Wir bauen weiter Straßen, erweitern Einkaufszentren am Stadtrand. Will die Politik wirklich einfach aussitzen, verdrängen, was auf uns zukommt? Einen Ansatz einer Antwort finde ich hier:

Akzeptanz und Schockstarre

Eine immer noch kleine, aber wachsende Gruppe von Menschen tut einen Schritt, den der Philosoph Thomas Metzinger als „sich intellektuell redlich machen“ bezeichnet, und sieht der Bedrohung ins Auge. Doch die Aussicht, von einem heißgelaufenen Spätkapitalismus der eigenen Lebensgrundlagen beraubt zu werden, geht selbstverständlich nicht spurlos an der Gemütsverfassung vorbei. Sie ist zunächst so überwältigend, dass sie in Schockstarre verfallen lässt. Im schlimmsten Fall sorgt sie für langanhaltende Ohnmachtsgefühle, für Fatalismus und Depressionen. Im besten Fall gelingt es, das Unbehagen in eine Triebfeder des Handelns zu verwandeln. In einem Tweet vom 11. Mai diesen Jahres schreibt Carla Hinrichs, die Pressesprecherin der Letzten Generation, wie sie vor Gericht dem Richter erzählt habe, „wovor ich Angst habe.“ Man erinnere sich auch an Greta Thunbergs bereits 2019 geäußerten Wunsch, dass die Entscheiderinnen und Entscheider dieser Welt „in Panik geraten“. Hinrichs und Thunberg sind mit ihrer Angst nicht allein: Eine 2021 veröffentlichte Studie zum Thema Klimaangst unter Jugendlichen und jungen Menschen kommt zu dem Ergebnis, dass 45% von ihnen durch ihre Angst im täglichen Leben beeinträchtigt sind.

Weiter lesen hier: https://www.philomag.de/artikel/klima-der-angst

Ich kenne mittlerweile einige Aktivist*innen aus den Bewegungen XREBELLION und LETZTE GENERATION. Das sind kluge, sehr sympatische Menschen. Menschen, die sich "intellektuell redlich machen", Menschen, die berechtigt Angst haben, weil sie die Bedrohung sehen. Zu viele unserer Politiker bezeichnen sie als Chaoten und oder Terroristen, weil sie selber es nicht schaffen, sich "intellektuell redlich zu machen". Das ist nicht gut für unsere Demokratie und für unsere Zukunft.

Karlheinz Zeiner

Nationaler Energie und Klimaplan

Die aktuellen Energie- und Klimaziele der EU verlangen

  • eine Reduktion der Treibhausgase (außerhalb des Emissionshandels) bis 2030 um 48% gegenüber 2005
  • der Anteil an erneuerbarer Energie (Bruttoenergieverbrauch) soll bis 2030 auf 45% steigen (RED III)

Bis Juni 2024 müssen nun die EU-Staaten den Plan einreichen, mit dem sie diese Ziele erreichen wollen (das ist der Nationale Energie- und Klimaplan (NEKP). Ein Entwurf dieses Plans liegt vor. Bis zum 30. August können schriftliche Stellungnahmen zum Entwurf eingebracht werden. Die Einladung richtet sich an Interessensverbände, Ministerien, Bundesländer, politische Parteien, die Wissenschaft und für Organisationen der Zivilgesellschaft. Wir werden innerhalb unseres Bündnisses besprechen, ob wir eine Stellungnahme einreichen sollen. Mehr Informationen hier:

https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/klimaschutz/nat_klimapolitik/energie_klimaplan.html

Eine Zusammenfassung:

2005 hat Österreich insgesamt 92,6 Mio. t CO2eq emittiert. Davon sind 35,8 Mio. t CO2eq dem Emissionshandel zuzuordnen, ohne diesen Anteil sind es 56,8 Mio. t CO2eq. D.h. bis 2030 soll dieser Wert um 48% auf 29,5 t verringert werden.

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Mit den schon beschlossenen Maßnahmen (WEM .. With Existing Measures, mit beschlossenen Maßnahmen) erreichen wir bis 2030 laut Prognose eine Reduktion von 27%, es fehlen also 21%.

Mit zusätzlichen Maßnahmen (WAM .. With Additional Measures) erreichen wir laut Prognose eine Reduktion von 35%, es fehlen also 13%. Mehr zu den Maßnahmen findet man hier:

Aufgeteilt auf die Sektoren:

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Quelle: Umweltbundesamt

Die Maßnahmen für den Verkehr:

  • Umsetzung REDIII
  • Steigerung der Effizienz von Kfz & Forcierung Elektromobilität
  • Steuerung der Kraftstoffpreise
  • Aktive Mobilität und Mobilitätsmanagement
  • Ausweitung und Attraktivierung Öffentlicher Verkehr
  • Güterverkehr: Verkehrsverlagerung (auf die Schiene); Ökologisierung der LKW-Maut

Wir zweifeln im Bereich Verkehr aus guten Gründen an diesen Prognosen.

In einer kürzlich veröffentlichten internationalen Studie zur empirischen Bewertung von Maßnahmen im Verkehrsbereich hinsichtlich deren tatsächlicher Wirkung zur Reduktion von THG- Emissionen zeigte sich für Österreich, dass in den letzten Jahrzehnten kein struktureller Bruch bzw. Rückgang erfolgt ist. Laut den Studienautoren konnte Österreich keine echte THG-Reduktion erreichen, weil die Effekte der von Österreich gesetzten Maßnahmen durch gegenläufig wirkende Trends mehr als kompensiert wurden.

Rückblick Veranstaltungen

Demonstrationen beim Landhaus in Bregenz

Am 31. Jänner 2024 war wieder eine Sitzung des Landtages. Detail am Rande: Auf der Tagesordnung unter TOP 7 ein Antrag aller Fraktionen, die Bundesregierung möge Bestimmungen zum Versammlungsrecht, d.h. hier zur "Bannmeile" konkretisieren. Der Anlass sind die Demos der Klimaaktivisten, d.h. unser Landtag will jetzt ganze 24 Stunden nicht an seine Verantwortung für den Schutz des Menschen (den das ist die bessere Bezeichnung für Klimaschutz) erinnert werden.

Anmerkung: Das Versammlungsverbot während einer Sitzung entbehrt natürlich nicht jeglicher sinnvollen Überlegung. Aber es würde genügen, das Innere des Gebäudes "zu schützen". Andererseits ist die Sitzung selber ja öffentlich und Zuhörer sind erlaubt. Und in das Gebäude kommt man ohne Kontrolle wie am Flughafen sowieso nicht.

Die Versammlung der  "GrosselternGeneration für EnkelkinderGeneration" war angemeldet. Demonstriert wurde für ernsthaften Klimaschutz=Menschenschutz und gegen nicht mehr in die Zeit passende Straßenbauprojekte wie den Stadttunnel in Feldkirch.

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A4 Flyer zur Veranstaltung

Mehrere Medien haben berichtet, darunter der FALTER in seinem Nachhaltigkeits-Newsletter und ORF Vorarlberg.

Zu den nicht angemeldeten Demos

Zuletzt wurde regelmäßig am Tag der Landtagssitzung vor dem Landhaus demonstriert, jeweils ab 12:30, also in der Mittagspause der Sitzungen. Die Demos waren nicht angemeldet und an die hundert Aktivisten sind mit Anzeigen konfrontiert, die sie bewußt im Sinne von zivilem Ungehorsam heraufbeschwört haben. Die VN hat dazu einen Leserbrief von Karlheinz Zeiner veröffentlicht. In dem Brief fordert er einen Mobilitäts- und Klimagipfel für Vorarlberg. Die Landesregierung und das Energieinstitut produziert am laufenden Band Hochglanzbroschüren zu den Schlagworten "Energieautonomie, "zukunftsfit", "enkeltauglich", "Bodenstrategie", "regionale Produkte", "Respektiere deine Grenzen". Wenn wir Wohlstand, Konsum, Wachstum und Mobilität nicht neu denken, dann ist das alles Schall und Rauch. Dazu passende Lektüre, die wir gerne den Mitgliedern des Landtages und der Regierung empfehlen, gäbe es genug. Drei Beispiele:

  • Ein neues Buch von Helga Kromp-Kolb, "Für Pessimismus ist es zu spät - Wir sind Teil der Lösung"
  • Ein Artikel zur Zukunft der Mobilität
  • Ein Projekt zum Gütertransport in der Schweiz, das man statt einer S18 bis zum Güterbahnhof Wolfurt verlängern könnte

Warum dieser zivile Widerstand? Die Politik handelt grob fahrlässig!

Wir können nicht weiter machen wie bisher, es geht einfach nicht, es wäre grob fahrlässig. Das Jahr 2023 zeigte sich als Jahr mit neuen Temperaturrekorden und Katastrophen. Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das bisher wärmste Jahr seit 125.000 Jahren.

Das berichten ab 8. Nov. mehrere Medien. (z.B. spektrum.de). Schon vorher warnen zahlreiche Wissenschaftler vor einem lebensbedrohlichen Zustand der Erde. Sie analysierten 35 Parameter des Planeten, 20 davon liegen im Bereich neuer Extreme. Man betrete in Sachen Klimastatus unbekanntes Terrain. Sie stellen fest, dass die reale Situation schlimmer ausfällt oder früher eintritt, als erwartet. Link zum Originalartikel in Biosience

Das zeigt sich auch bei den Temperaturen in Bregenz. In den Klimaszenarien (9/2016) für Vorarlberg erwartet man für die Sommermonate in der Periode 2071 - 2100 einen Anstieg der Temperatur von 2,5° (Klimaschutzszenario) und 4,8° (business-as-usual also das "weiter wie bisher" Szenario).

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Bild: Abweichung der Temperatur vom früheren Mittelwert, Bildquelle: Der Standard

Wir sind also schon jetzt (40 bis 50 Jahre früher) weit über dem Klimaschutzszenario.

Die Scientists for Future haben beim Leopold Figl Denkmal auf dem Minoritenplatz vor dem Bundeskanzleramt der Skulptur die Augen verbunden. Vier Jahre nach der Anerkennung des „Klimanotstandes" durch den Nationalrat taumle die Regierung um Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) „blind in die Klimakatastrophe". Im Gegensatz zu einst versprochenen Fortschritten im Klima- und Umweltschutz sei Österreich „am Weg zurück". Das gilt beispielhaft für den Verkehrssektor, in dem politisch keine sinnvollen Maßnahmen gesetzt wurden, so Barbara Laa vom Institut für Verkehrswissenschaften an der TU Wien. Die einzigen positiven Effekte brachten die Pandemie und die hohen Spritpreise.

Berechtige Forderungen

Es ist absurd: Menschen, die hier die dringende Kurskorrektur genau an jenem Ort verlangen, an dem jene Menschen zusammentreffen, die das unterlassen, was notwendig wäre, müssen mit einer Strafe rechnen. Menschen, die grob fahrlässig handeln, kommen ungestraft davon.

Aus einem Artikel in der Wiener Zeitung: Mit den Gegner:innen hat man allerdings auf den Regierungsebenen leben gelernt. „Grundsätzliche und fundamentale Zweifler:innen kommen nicht ins Boot“, heißt es auf Anfrage.

Wie kann man besser zum Ausdruck bringen, dass man sich abgeschottet hat, keine Zweifel - auch wenn sie von angesehenen Verkehrswissenschaftler kommen - zulässt. Die Empfehlungen der Bürgerräte, die Verpflichtungen zur Reduktion der THG Emissionen, die historischen Erfahrungen mit Straßenbau zur Entlastung, die Forderung öffentliche Gelder sinnvoller einzusetzen, das alles bekommt den Stempel "fundamentale Zweifler:innen".

Literatur:

In der ausführlichen Arbeit

http://www.verkehrswissenschaftler.de/berichte/bericht_5.htm

setzt sich eine Einzelperson kritisch mit Verkehrsmodellen, Bewertungsverfahren von Straßenbauprojekten etc. auseinander. Das es sich dabei nicht nur um eine Einzelmeinung handelt bestätigt eine weitere Arbeit, die wohl über jeden Zweifel erhaben ist. Eine Kernaussage aus einem Bericht der Wissenschaftlichen Dienste an den Deutschen Bundestag: In dem Dokument werden mehrere Arbeiten zitiert und die meisten Arbeiten bestätigen eindrucksvoll eine These, die der amerikanische Ökonom Anthony Downs vor mehr als vier Jahrzehnten formuliert hat: „Neue Straßen sind kein Mittel gegen Staus, weil sie zusätzlichen Verkehr hervorrufen.“

Man kann sich im Landhaus verbarrikadieren und mit einer Bannmeile den Kontakt und die Diskussion über die Zukunft der Mobilität verhindern. Gute Argumente für noch mehr Investitionen in den bisherigen Weg des Individualverkehrs hat man offensichtlich nicht.

8. Juli 23 - Demonstration in Feldkirch - "Hier wird unsere Zukunft verbaut"

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BildEin starkes Zeichen der laut Mikl-Leitner nicht normalen Menschen. Normal sind jetzt plötzlich die Menschen, die NICHT der Wissenschaft glauben, die eine Kurve in einem Diagramm NICHT extrapolieren können, die deshalb bei der Mathematik Prüfung durchfallen würden. Normal sind Menschen, die allein in Europa mehrere zehntausend Hitzetote in Kauf nehmen, die noch nie dagewesene Flüchtlingströme in Kauf nehmen.

Wir müssen den Individual- und Güterverkehr drastisch reduzieren und nicht mit neuen Straßen verlagern und in Summe erhöhen.

Wir müssen Geld in die Bahn, in den ÖPNV investieren und nicht in Straßen für den Güter- und Individualverkehr. Sonst werden wir die Klimaziele und die Energieautonomie nicht erreichen.

Das sind die einfachen und richtigen Argumente der NICHT normalen Menschen.

5. Juli und 8. Juli 23 - Vortrag zum Gletschersterben und Trauerfeier zur Verabschiedung des Brandner Gletschers

Gebirgsforscher Dr. Wolfgang Gurgiser, Universität Innsbruck macht mit den Zuhörern eine eindrucksvolle Reise durch die Klimageschichte der Erde. Mit Bildern und Diagrammen und Erklärungen dazu, die sowohl die Naturwissenschaftlerin als auch den Laien in den Bann ziehen.

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Bild aus: Marcus Wadsak, Klimawandel - Fakten gegen Fake & Fiction

Zwischen 20.000 und 10.000 vor Christus hat sich die Temperatur pro Jahr um 0,05 Grad pro Jahrhundert erwärmt. In den letzten hundert Jahren hat sich die Temeratur um 1° (also das Zwanzigfache) erhöht und so geht es derzeit beschleunigt weiter.

Einmal mehr zeigt ein Wissenschaftler, wie eindeutig der Zusammenhang zwischen den CO2-Emissionen unserer Zivilisation und dem aktuellen Temperaturanstieg ist. Auch für die kleine Eiszeit hat die Wissenschaft eine plausible Erklärung.

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Zusammenhang zwischen CO2 Konzentration und Temperatur, Bild: herdsoft.com

Die CO2 Konzentration war während des Holozäns ziemlich konstant bei ca. 280 ppm. Jetzt sind wir bei ca. 420 ppm.

Zusammenfassung: Am Ende dieses Jahrhunderts werden die Gletscher der Ostalpen verschwunden sein, in den Westalpen bleiben kleine Reste noch übrig.

In den Alpen müssen wir mit einer Temperaturerhöhung von bis zu 6° rechnen, in Feldkirch und Innsbruck sind wir bereits bei > 2°.

Wer sind wir?

Karlheinz Zeiner ist Jahrgang 1953, Techniker und Naturwissenschaftler, also ein fakten- und wissenschaftsorientierter Mensch. Er hat an der TU Wien promoviert und beschäftigt sich seit Jahren immer mehr mit Fragen der Mobilität, Energie und dem Klimawandel. Er ist in Klaus im Gemeindevorstand und Delegierter im Verkehrsverbund Oberes Rheintal.

Seit er auch Enkelkinder hat, deren Lebenserwartung bei den Bedingungen der letzten Jahrzehnte bis ins Jahr 2100 reichen würde, fühlt er sich noch mehr verpflichtet, sich für eine "enkeltaugliche Zukunft" einzusetzen.

Mag. Hubert Feurstein hat Religion und Ethik unterrichtet und ist Mitbegründer von ConsolNow, dem "Verein Konsumenten Solidarität Jetzt".

Kontakt:Bild(Bitte abtippen!)

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radlobby Verkehrswende JETZT
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